Der Opernbrunnen auf dem Offenbachplatz

Der Opernbrunnen 

 

 

 

Ein Beitrag von Stefanie Schmidt

 

 

Am 21. Dezember 1966 um Punkt 16 Uhr schoss das erste Mal Wasser aus den 44 Düsen und der
großen Fontäne, im Mittelpunkt der „Perle“, auf dem Offenbachplatz.


Ein eigentlich schlichter Bau aus Stahlbeton steht vor der Eingangsfront des Opernhauses, wenn da
nicht die Kleinigkeiten wären, die den Brunnen zu einem Schmuckstück machen. Die Rede ist
natürlich vom denkmalgeschützen Opernbrunnen und von den vielen bunten Keramik- und
Glasmosaiken, die im Brunnen mit Unterwasserscheinwerfern beleuchtet werden. Die leuchtenden,
farbenfrohen Mosaike entstammen sowohl aus der zerstörten Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-
Kirche als auch aus dem Schwimmbad der Luxusyacht „Christina“ des griechischen Reeder
Aristoteles Onassis.


Den Blickfang in Mitten des Offenbachplatzes und den Offenbachplatz selbst, entwarf der Kölner
Künstler Jürgen Hans Grümmer (*1935 - †2008). In den späten 50er Jahren galt er als Geheimtipp
der Kölner Kunstszene und machte sich daraufhin sowohl im Inland als auch im Ausland einen
Namen als „Freiraumgestalter“, wie er sich selbst gerne bezeichnete. Seine größten Werke in seiner
Heimatstadt sind der Opernbrunnen und „Europa auf dem Stier“ im Kölner Rathaus.


Kurz nachdem der Brunnen in Betrieb genommen wurde, war er der zentrale Punkt Kölns. 1967
beschrieb der Kölner Stadt-Anzeiger den Mosaikbrunnen mit den Worten: Der Opernbrunnen - ein
Sommertraum „Jetzt, in den warmen und heißen Sommertagen ist Leben an diesem Brunnen. Die
Leute stehen nicht nur um ihn herum, sie sitzen auf seinem Rand. Der Rand ist hoch genug, daß das
Sitzen bequem ist, und er ist so breit, daß man sich auch auf ihm ausstrecken kann, Man braucht
dann nur noch die Hand ins Wasser zu tauchen. Oder auch die Füße. Warum eigentlich nicht?
Kinder und junge Leuten waten durch das Wasser. Kein Zweifel, hier ist ein Brunnen, der benutzt
wird“.


Der letzte Satz „Kein Zweifel, hier ist ein Brunnen, der benutzt wird“, trifft seit ungefähr 15 Jahren
nicht mehr zu. Die Stadt Köln sieht sich aufgrund zu hoher Kosten nicht in der Lage, den Brunnen
ausreichend zu warten und mit Brunnenwasser zu versorgen. Daher liegt der Brunnen oftmals
trocken und die damals leuchtenden Farben der Mosaike sind mittlerweile aufgrund von Verkalkung
und Verschmutzung kaum mehr erkennbar.


Nach dem Tod Grümmers erbte seine Tochter Judith Grümmer (*1958) ein Künstlernachlass mit
unzähligen Werken ihres Vater. Nachdem sie den Zustand der einstigen „Perle“ des
Offenbachplatzes sah, rief sie die Aktion „Schokolade genießen, damit Wasser fließen“ ins Leben.
Damit sollten Spendengelder für die Restaurierung des Mosaikbrunnens zusammenkommen.
Im Herbst 2010 hatte Judith die Idee, während einer Kunstausstellung ihres bereits gestorbenen
Vaters die ersten Editionen der Spenden-Schokolade zu verkaufen. Das lief so gut, dass sie im
Frühjahr 2011 vom Intendanten der Kölner Oper, Uwe-Eric Laufenberg, eingeladen wurde, ihre
Schokolade in der Oper an den Mann zu bringen. Unter dem Motto „Mögen die Wasserspiele
beginnen“ bot Familie Grümmer 3 Wochen lang den Gästen der Oper die Spenden-Schokolade an.
Helfer der ausgefallenen Idee sind unter anderem die Kölner Oper, die Kölner Bürger und
Opernbesucher, die Kölner Kirchengemeinden wie Sankt Severin und die Kartäuserkirche, die
Melanchtonakademie und die Antoniterkirche mit den Stadtführungen der AntoniterCitytours und
die Galerie Smend. Das Kölner Schokoladenmuseum stieg kurzerhand mit der Sonderausstellung
„Der Kölner Künstler Jürgen Hans Grümmer. Schokobrunnen trifft Opernbrunnen“ in die
Spendenaktion mit ein.


Durch die Absperrung des gesamten Offenbachplatzes ab 2013, während der Sanierung der Oper,
wird der Opernbrunnen bis 2015 optisch aus dem Bild Kölns verschwinden. Danach wird er aber
wieder im vollen Glanz erstrahlen, da er während dessen restauriert wird.


Damit der Mosaikbrunnen in der langen Zeit nicht vergessen wird, startet ab dem 16.April 2012 die
neue Spendenaktion „Naschen für den Opernbrunnen. Naschen für Köln.“. Die Schokolade ist unter
anderem in der Kölner Oper, an der Kasse erhältlich, aber auch im Internet bestellbar. Durch die
neue Aktion soll der Brunnen weiterhin wortwörtlich in „aller Munde bleiben“, während er
zwischenzeitlich aus dem optischen Sichtfeld verschwindet.