Die Richmodissage

Veröffentlicht auf 4. Dezember 2011

Ein Beitrag von Stefanie Schmidt

 

Inmitten von Köln, in der Nähe vom Neumarkt, steht ein Kölner Wahrzeichen. Der
Richmodisturm. Wenn man zum Turm hinaufschaut, sieht man zwei Pferdeköpfe, die aus dem
obersten Fenster hinausragen. Stellt sich also die Frage, wieso tun sie das?


Im vierzehnten Jahrhundert brach die Pest in Köln aus. Der Bürgermeister Mengis von Aducht und
seine Frau opferten ihr ganzes Vermögen für die Betreuung der Pesterkrankten. Doch nur wenige
Tage später verfall die Angetraute von Mengis auch dem „schwarzen Tod“.

Nachdem sie für tot erklärt wurde, begrub man sie samt ihres Schmucks am Friedhof von St. Aposteln. Als der
Totengräber die Juwelen und die Ringe an der Verstorbenen sah, plante er mit Freunden noch in der
selben Nacht diese zu entwenden. Doch als sie versuchten den Ring von Richmodis Finger zu
entwenden, erwachte die Scheintote aus ihrem Schlaf. Die Diebe flüchteten großen Schreckens
davon und die einst für tot erklärte Frau ging zurück zu ihrem Haus. Dort bat sie den Knecht um
Einlass, doch dieser dachte den Geist seiner verstorbenen Herrin zu sehen und rief Mengis von
Abducht. Auch dieser dachte, dass die Gestalt vor den Toren der Geist seiner gerade erst begrabenen
Frau sei. Doch Richmodis rief zu ihm: „Ich bin nicht tot, ich wurde lebendig begraben.“ Der vor
Furcht heimgesuchte Mengis glaube dies nicht und erwiderte: „Eher kommen meine beiden Rösser
die Treppe hinauf, als das vor der Tür meine lebendige Gattin ist.“.

Noch im selben Moment brachen die Pferde aus ihrem Stall aus, galoppierten die Treppe hinauf und steckten die Köpfe aus dem obersten Fenster des Turms. Daraufhin fielen sich Herr und Frau von Aducht in die Arme und
lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage.

 

 

Geschrieben von Die Sachensucherin